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Anhang zur Vertiefung

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Anhang zur Vertiefung

KR HELMUT PUCHEBNER
KPhilxx 1970-1973
KPhilx 1973-1976
KVors 1976-1982

1. 9. 1993

Briefseminar des MKV:

60 Jahre MKV - Standort und Zukunft

Um dem Thema gerecht zu werden, bedarf es vorerst einer Kurzanalyse:

Der MKV vor der Ära Dr. Kaluza, Thuiskonia Wien, (KVors 1967-1976) war im wahrsten Sinne des Wortes eine heile, runde, heitere Welt. Der Verband bestand aus etwa 120 Korporationen, davon großteils Vorkriegsgründungen, mit mehr oder minder starken Altherrenschaften; die Korporationen, besser gesagt deren Mitglieder, identifizierten sich tatsächlich voll mit den Grundsätzen des Verbandes und fanden fast ausschließlich in der ÖVP ihre politische Heimat, berufstätig waren sie überwiegend als Beamte.

Dr. Kaluza und sein Team fanden daher eine solide Basis vor, auf der sie das bis dorthin fast gänzliche Vakuum des MKV als Träger gesellschaftspolitischer Tätigkeit in diesem Lande zu füllen begannen (im wesentlichen beschränkten sich die diesbezüglichen Aktivitäten der Vorära Kaluza auf die Mitarbeit im Österreichischen Bundesjugendring und in der Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände). Ein MKV-Bewußtsein fehlte. Die Verbandsführung Dr. Kaluza verstand es, binnen kürzester Zeit Kompetenz in Schul- und Bildungspolitik zu erreichen und den MKV damit als einzige relevante nichtsozialistische Organisation in diesem Bereich zu installieren. Dazu kam noch die allgemeine Bereitschaft der "MKVer", Aktivitäten des Verbandes mitzutragen, die wesentliche bildungspolitische Ziele der seit 1970 bestehenden sozialistischen Alleinregierung bekämpften.

Es dauerte auch nicht lang, daß die Verbandsführung Dr. Kaluza und der von ihr geführte MKV nicht mehr als "kleiner, unbedeutender Bruder" des ÖCV angesehen wurde, da auch im Bereich der ÖCV-Altherrenschaft Anerkennung und großes Interesse für die gesellschaftspolitischen Positionen des MKV wuchsen.

Die Arbeit der Ära Dr. Kaluza wurde unter meiner Verbandsführung fortgesetzt, ausgebaut, und erreichte, so glaube ich, unter dem Kartellsenior Dr. Ofner, Quisinia Güssing, sicherlich einen Höhepunkt. (Die Nichterwähnung anderer Mitglieder meiner Verbandsführung soll keineswegs zum Ausdruck bringen, daß ihre Mitarbeit unwichtig oder für unseren Verband nicht bedeutsam war.)

Es kam nicht von ungefähr, als die Verbandsführungen des MKV in den 70er Jahren in die Lage versetzt wurden, außenpolitische Erfolge zu erzielen, konnten sie doch der Unterstützung vieler sicher sein.

Worte des damalig zuständigen Ressortministers mir gegenüber, wie "Gäbe es Sie (gemeint: MKV) nicht, hätten wir vielleicht schon die Gesamtschule in Österreich!" oder "Warum bringen wir (offensichtlich gemeint: die damalige SP-Bildungsadministration) solche Produkte wie Ihren Schülerkalender nicht zustande?", die Verleihung des staatlichen Anerkennungspreises für das "Couleur", die Durchsetzung der Herausgabe einer Briefmarke (Katholisches Farbstudententum in Österreich 1933 - 1983), die Verleihung eines hohen Ehrenzeichens der Republik an den Gründer des Verbandes anläßlich des Festkommerses "50 Jahre MKV", sowie nicht zuletzt der Bericht des damaligen Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz anläßlich des "ad-limina Besuches" in Rom 1983, in welchem der MKV namentlich neben einiger weniger anderer Jugendorganisationen als positive katholische Gliederung hervorgehoben wurde, zeigen beispielsweise, daß die Arbeit der Verbandsführungen der 70er und beginnenden 80er Jahre nicht ganz erfolglos gewesen sind.

Mit der steigenden Attraktivität des Verbandes war es ein leichtes, das ab der Ära Dr. Kaluza formulierte Ziel "an jedem Ort mit einer höheren Schule jedenfalls eine MKV-Korporation zu positionieren", nahezu zu erreichen. Als ich mein Amt als Kartellvorsitzender meinem Nachfolger übergab, betrug die Mitgliedsanzahl der Korporationen im MKV über 160, allein in meiner Amtszeit als Kartellvorsitzender stießen 20 Korporationen zum MKV.

Unbeschadet aller "außenpolitischen" Erfolge des MKV ab 1967 (z.B. schulpolitisches Konzept, welches teilweise in den Schulgesetzen berücksichtigt wurde, Gründung der UHS, Schaffung des bundesweiten Schülerbeirates und dessen gesetzliche Verankerung, von Schüler- und Jugendzeitungen, der Österreichischen Schüler Presse Agentur sowie des österreichweiten Schülerkalenders, Gründung des EKV, etc.), trug die nahezu erfolgte "Verdoppelung" des Verbandes (auch mitgliedermäßig) - Hand in Hand mit der größeren Bereitschaft der Menschen in diesem Lande, pluralistischer zu denken - dazu bei, daß die feste Basis der inhaltlichen Geschlossenheit des MKV langsam aber stetig aufgeweicht wurde.

Dazu kam, daß die Neuheit der Schulpolitik" des Verbandes an Attraktivität verlor und zum täglichen Alltagstrott" wurde.

Die Auflösung der politischen Lager in Österreich und die Existenz mehrerer für den MKVer wählbarer Parteien führten letztendlich zur Aufhebung der "Salzburger Beschlüsse" hinsichtlich ihrer politischen Ausrichtung.

Gelang es in einer 1987 beispielhaft vorbereiteten und geführten sowie von der demokratischen Reife der Tagungsteilnehmer getragenen Kartellversammlung noch ein ausgewogenes Grundsatzprogramm für den MKV auf dem Boden unserer Prinzipien zu beschließen und die seit langer Zeit kartellrechtswidrig aufgenommenen Nichtkatholiken für die Vergangenheit zu pardonieren - ein ähnlicher Beschluß wurde einige Zeit später noch einmal gefaßt -, so war dennoch die Disziplin im MKV teilweise bereits so aufgeweicht, daß einige Korporationen weiterhin beharrlich das Kartellrecht ignorierten; zwei zogen später dann auch die Konsequenzen und traten aus dem Verband aus.

Nicht die angestrebte Aufnahme evangelischer und sonstiger nichtkatholischer Christen oder von Mädchen - dies waren die hauptsächlichen Reformanliegen gar nicht so weniger Kartellbrüder -, bedeuteten in Wahrheit die Belastung für den Verband, sondern die Tatsache, daß eben nicht mehr wirklich alle Verbandskorporationen und die große Anzahl deren Mitglieder, auf dem Boden aller Verbandsprinzipien stehen. Sie signalisierten dadurch, daß die Verbandsinhalte und Verbandsspielregeln im Belieben des einzelnen stehen.

Es mag von vielen als Symbol der Aufgeschlossenheit unserer Gemeinschaft angesehen werden, uns in alle Richtungen hin zu öffnen. Ich will dies gar nicht werten, aber eines ist klar, damit wird und wurde der MKV ein anderer Verband.

In meiner Tätigkeit im Rahmen des EKV war ich stets bemüht, alle couleurstudentischen Strömungen zu fördern, die sich mit unseren Inhalten vereinbaren ließen, wie zum Beispiel die Aufnahme des neu gegründeten VFM, aber eben stets aus der Position des MKV und seiner vier Prinzipien.

Will man lediglich das Prinzip "Amicitia" als alles überragenden Grundsatz betrachten - und darauf kommt es, verkürzt gesehen, in vielen Fällen heraus -, werden wir eben zum Geselligkeitsverein degradieren.

Die Reaktion auf den Abfall der Disziplin im Verbande ließ nicht lange auf sich warten: Einige wenige Kartellbrüder und Korporationen sind dabei, einen "Block" zu gründen.

Wiewohl ich nicht verhehle, daß ich lange Zeit dieser Idee sehr skeptisch gegenüber gestanden bin und auch die Bezeichnung "Block" als äußerst kontraproduktiv - weil in der Kartellöffentlichkeit schlecht besetzt - ansehe, neige ich jetzt doch dazu, daß eine Gemeinschaft (Fraktion) innerhalb des MKV, die sich vorbehaltslos zu den Grundsätzen und dem Grundsatzprogramm des Verbandes in seiner gesamten Breite bekennt und gewillt ist, daraus Aktivitäten als Einzelkorporationen, letztlich vorbildhaft für den MKV, zu setzen sowie diese innerhalb des Verbandes abzusprechen und untereinander Kontakte zu pflegen, die Chance eröffnet, positive Signale zu setzen und damit viele Korporationen, die unentschlossen gegenüber dem Verband leben, wieder mitzureißen.

Ich habe z.B. nie verstanden, warum in den späten 80er Jahren der MKV nicht die damals öffentlich diskutierte Demokratiefrage in diesem Lande aktualisiert hat. Niemand, auch nicht unser erbittertster Gegner, kann uns Demokratiekompetenz absprechen: Üben wir diese doch in jeder Korporation, vom jüngsten bis zum ältesten Mitglied. Wer kann glaubwürdiger Anliegen vertreten, als der, der diese Anliegen zu seinem eigenen Lebensinhalt gemacht hat? Die Fragen der Bürgermitbestimmung, der direkten Demokratie, des Persönlichkeitswahlrechtes wären wohl angemessene Anliegen gegenüber der Öffentlichkeit gewesen und sind es vielleicht auch heute noch.

Es gibt sicher noch andere Möglichkeiten, den Verband zuerst von innen und dann auch wieder für die Außenwelt bedeutsamer zu gestalten. Jedenfalls bedarf es aber auch innovativer Verbandsführungen.

So sehr innerverbindliche Demokratie und Kontrolle notwendig ist, hat die ausschließliche "Nabelschau" noch nie zu Erfolgen geführt. Eine Verbandsführung muß sich auch bewußt sein, daß der Wert der Öffentlichkeitsarbeit vor allem im "Innenwert" liegt. Jemand, dessen Gemeinschaft oft positiv in den Medien vorkommt, wird diese auch von innen her mittragen. So steigt die erforderliche Bereitschaft mitzuarbeiten mit dem Ausmaß der Attraktivität einer Gruppe.

 

Seite zuletzt von Webmaster bearbeitet: 06. Oktober 2005 12:50

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