Anstandslehre
Präambel
Im Hinblick auf die Tradition der Korporation und der von ihr vertretenen Werte gelten
für alle Mitglieder die allgemeinen, dem bürgerlich-mitteleuropäischen Lebensstil
entsprechenden Anstandsregeln.
Dem Couleurstudenten muß zudem bewußt sein, daß er durch sein Auftreten in vollen
Farben die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zieht, und deshalb die Einhaltung
dieser Regeln von noch größerer Bedeutung ist.
Für das Auftreten in Couleur sind überdies noch folgende Regeln zu beachten:
Couleurfähige Kleidung
Grundsätzlich darf Couleur (Band und Deckel) nur zu gepflegter, nicht exaltierter
Kleidung getragen werden. Bei verbindungsinternen Veranstaltungen (ohne Gäste) ist das
Tragen von legerer Kleidung möglich, jedoch eine lange Hose und ein Hemd bzw. hemdartiges
T-Shirt (Leiberl) unabdingbar. Bei öffentlichen Veranstaltungen ist ausnahmslos lange
Hose, Hemd, Sakko sowie Krawatte, Mascherl oder Halstuch zu tragen.
Auf- und Abtakeln
Auf- und Abtakeln (Couleur anlegen bzw. entfernen) in der Öffentlichkeit ist nicht
gestattet. Dies hat ausnahmslos in geschlossenen Räumlichkeiten (Garderoben, Vorräumen,
u. ä.) zu geschehen. Muß man jedoch auf der Straße auf- oder abtakeln, so hat dies in
einem Haustor zu geschehen.
Beachte, daß das Fuchsen/Burschenband von oben rechts nach unten links in der
richtigen Reihenfolge der Sonnberg Farben getragen wird. Der Deckel ist eine Kopfbedeckung
und hat tunlichst auch dort zu bleiben.
Grüßen
Das Grüßen in Couleur vollzieht sich nach den allgemeinen Anstandsregeln, wobei
Deckel oder Biertonne wie ein Hut mit der linken Hand gezogen werden. Wird ein Barett oder
Cerevis getragen, ist zu salutieren.
Couleur auf der Straße
Auf der Straße ist im Hinblick auf die Öffentlichkeit besondere Bedachtnahme auf die
allgemeinen Anstandsregeln erforderlich. Insbesondere ist zu beachten:
- keine größeren Lasten tragen
- nach Möglichkeit nicht laufen
- im Gehen nicht rauchen
Couleur in öffentlichen Verkehrsmitteln
Grundsätzlich gilt auch hier der Hinweis auf die Öffentlichkeit. Für den Fall, daß
alle Sitzplätze besetzt sind, haben Fuchsen und Aktive in Couleur ihren Sitzplatz
älteren oder gebrechlichen Personen, Müttern mit Kindern oder schwangeren Frauen zur
Verfügung zu stellen.
Couleur in Lokalen
Grundsätzlich dürfen nur jene Lokale in Couleur betreten werden, die aufgrund ihrer
Art und ihr sonstiges Publikum dazu geeignet sind. Im Zweifel ist ein Lokal eher nicht als
couleurfähig anzusehen und daher vorher abzutakeln.
In jedem Fall als nicht couleurfähig anzusehen sind:
- Bier-, Weinzelte und -hallen
- Discotheken
- Nachtlokale jeglicher Art
Couleur auf Veranstaltungen
Es dürfen nur solche Veranstaltungen in Couleur besucht werden, die den Bestimmungen
der Geschäftsordnung und des Comments entsprechen. Im übrigen sind die Couleurträger
verhalten, sich so zu benehmen, daß über das Couleurstudententum im allgemeinen und die
Korporation im speziellen kein negativer Eindruck entsteht.
Keinesfalls hat der Deckel etwas auf dem Kleiderständer verloren bzw. an der Garderobe
abgegeben zu werden.
Bei Veranstaltungen in der Öffentlichkeit wird abermals auf die Auffälligkeit des
Couleurträgers und die damit zusammenhängende besondere Beachtung der Anstandsregeln
hingewiesen
Verhalten gegenüber anderen Korporierten
Gegenüber anderen Korporierten ist ohne Ansehen der Person die allgemein übliche
Höflichkeit geboten. Das Du-Wort ist im Einklang mit den Bestimmungen der
Geschäftsordnung und des Comment zu verwenden.
Bei der Kontaktnahme mit bislang unbekannten ranghöheren (Professoren, Vorgesetzte,
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, u. ä.) bzw. älteren Kartellbrüdern hat sich
der Rangniedrigere bzw. Jüngere vorzustellen bzw. zu deklarieren und dann die Anrede des
anderen abzuwarten. Wenn dieser den Du-Comment anbietet, ist jedoch höflichkeitshalber
der Berufs- oder akademische Titel des Angesprochenen mitzuverwenden (z. B.: "Du,
lieber Herr Hofrat!").
Bei Briefen an diesen Personenkreis ist bei der Anrede zunächst der Berufs- oder
akademische Titel und dann erst die Anrede "Lieber Kartellbruder!" zu verwenden.
Sollte diese Situation auch bei einem Bundesbruder eintreten, ist analog vorzugehen.